Fünf Null. Im Fußball ein Kantersieg. Ich fühle mich wie das Team, das vom Platz gefegt wird – von meinem eigenen Körper. Ich bin die Null, keine Fünf, sitze auf der Ersatzbank – mein halbes Leben schon.
Was macht man mit 50, wenn einem so langsam die Kontrolle flöten geht? Einen Happy-Life-Ratgeber schreiben? Oder lieber mit Witz und Selbstironie über das, was sonst nur murmelnd in der Sauna zur Sprache kommt?
Erschienen am 29. September 2026 · Edition Salka · Erst mal reinlesen →
Covergestaltung: Werkstatt Bernoh
Das Spiel ist verloren. 50 Kolumnen gewonnen. Jetzt bestellen
Sirko Salka schreibt über Hexenschüsse im schwulen Fetischkeller, FKK-Cruising oder die Scham eines offenen Hosenstalls, als wären das die großen Fragen des Lebens. Bei ihm werden sie es.
Sein Erzähler stöhnt nicht, er dreht die Musik lauter. Er schreit nicht, selbst im Wald nicht, wo ihn niemand hören würde. Salka schreibt nicht über Sex. Er schreibt über einen Mann, der beim Sex nie aufhört, er selbst zu sein.
Körperlich, komisch, ostdeutsch-direkt und schamlos ehrlich: Boulevardhirn trifft Bildung, Schmuddelkind trifft Divenpathos – bis die Maske verrutscht.
Beim ersten Mal guckt ihm Madonna tief in die Augen, ein kleines Souvenir aus New York landet auf dem Chirurgentisch im Berliner Krankenhaus und am Ende weiß er nicht, ob er Angst oder Lust hat.
Die Nacht mit einem Hipster endet in einer Zelle, während das Puppy Play unter dem Kronleuchter niemals hätte beginnen dürfen. Sein Alter vermasselt ihm zum ersten Mal den Abend.
Im Dialog mit seinem Körper kommt die Wahrheit endlich ans Licht. Während Kopf, Penis und Hintern unzuverlässig werden, tanzen die Hände und der Bauch verspielt aus der Reihe.
Lappalien wie ein offener Hosenstall werden zur Vollkatastrophe, aus dem einstigen Draufgänger ist ein sentimentaler Sausack geworden, der anfängt nachzudenken, bevor er den Bären erlegt.
Weder ein schlaffer Pimmel noch ein runder Bauch halten ihn vollständig davon ab, noch auf die Piste zu gehen. Dabei rückt der Moment der Wahrheit näher, bei dem es keine Ausreden mehr gibt.
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Heute habe ich ein Lächeln geschenkt bekommen, ein echtes – und was für ein schönes! So unmittelbar. Unerwartet. Ultimativ. Erst war ich unsicher, ob es wirklich mir galt. Wie oft habe ich schon begeistert zurückgewinkt – nur damit prompt hinter, neben, unter oder über mir die Person auftaucht, die eigentlich gemeint war. Peinlich, peinlich.
Das passiert mir ständig – ob auf einer Party, in der Oper oder in der Sauna: Ich fühle mich auserkoren, lasse in vorfreudiger Erwartung alle Hüllen des Anstands fallen – und bin am Ende wieder nicht gemeint. Wie klein ich dann auf einmal bin – und wie nackt. Mein Gehirn kann schon ein zynischer alter Trafokasten sein, der mich von einer Bloßstellung zur nächsten navigiert. Zudem habe ich ein Dauerabo auf Fettnäpfchen, seit meiner Geburt schon. Als Kleinkind bin ich mal kopfüber in eine Regentonne gefallen, Jahre später beim Parkfest gegen einen Baum gelaufen. Und da hatte ich noch kein Smartphone. Nee, nee.
Zu Silvester knallte mir ungelogen eine Rakete gegen die Stirn. Und auf einer naked Sexparty bin ich in einem entsprechend ausgestalteten Séparée mal ins Rutschen gekommen – aber so richtig – und hab mich vor allen anderen Kerlen mit voller Wucht hingehauen. F**k! Pfui! Postwendend und leicht humpelnd bin ich nach Hause gegangen – und sofort in die Badewanne gesprungen.
Diesmal wurde ich angelächelt. Wirklich ich. Wir waren mutterseelenallein auf dem Bahnsteig der U4. Und trotzdem habe ich mich nochmal umgedreht und bis drei gezählt. Ich wollte sicher sein, dass nicht doch noch jemand aus dem Schacht geschossen kommt und mir das Lächeln stiehlt. Wie von Geisterhand. Es war ein Strahlen, das sein ganzes Gesicht – und bald mich – fröhlich füllte. Von den Zähnen über die Grübchen bis zu den Augen, die himmlisch funkelten wie Aquamarine. Ich hielt seinem Blick nur Bruchteile einer Sekunde stand, konnte aber all diese Details erkennen, weil ich ausnahmsweise mal meine Brille trug.
Normalerweise irre ich wie eine Blindschleiche durch die Botanik, da ich ungemein eitel bin. Dann sehe ich keinen und latsche wie eine Teflonpfanne durch die Stadt, an der flüchtige Blicke nur so abperlen. Damit auch bloß nichts anhaften oder anbrennen kann. In den meisten Fällen checke ich überhaupt nicht, wenn mich ein Mitmensch mit Interesse oder Wärme betrachtet.
Das war bei mir schon in den Clubs so: Ob auf Gothic- oder Punk-Events – jedes Mal putzte ich mich heraus. Rundherum satte Bässe – ich versprühte kühle Blässe. So fühlte ich mich zwar begehrenswert, verhielt mich aber wie eine unnahbare Prinzessin und war geradezu beleidigt, wenn mich am Ende der Nacht weder ein Edelmann noch irgendein armer Esel abgeschleppt hatte.
Und ausgerechnet heute lächelte mir mein U-Bahnsteig-Adonis zu, wo ich weder aufgebrezelt war noch mich für unwiderstehlich und uneinnehmbar hielt. Vielleicht lag es an der Brille: Sie sorgte dafür, dass ich meine Nase nicht zu hoch trug. An diesem Tag spielte ich keine Rolle. Ich war pur, einfach nur ich selbst. Und sein Lächeln habe ich mit nach Hause genommen – und bin mit ihm eingeschlafen.
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„Sirko talks about sex“: eine komische und ehrliche Lesung über einen Mann, der seinen Körper besser kennt als seine Gefühle – und beim Älterwerden langsam lernt, beides zusammenzubringen. Sirko Salka liest ironische Auszüge aus 50 Jahren Alltagssorgen, Selbstüberschätzung und anderen Peinlichkeiten.
Im Dialog mit einem Prachtexemplar: Sirko Salka liest seinen Körperteilen die Leviten. Aus „Junger Mann – Ihr Krückstock!“
Sirko Salka liest aus seinem Gedichtband „Brennstoff im Blut“.
Niebuhrstraße 59–60, Berlin-Charlottenburg. Mit ingoe.deltraut
18:00 UhrPulverteich 21, Hamburg
Abends · Uhrzeit folgt
Alle Programme dauern 45 bis 60 Minuten, auf Wunsch mit anschließendem Publikumsgespräch. Auf Anfrage auch mit musikalischer Begleitung (Länge dann ca. 75 Minuten).
Lesung anfragen„Junger Mann — Ihr Krückstock!“ ist seit dem 29. September 2026 bei Edition Salka erhältlich.
Mit persönlicher Widmung, direkt vom Autor, Versand inklusive: 22 €. Zahlung bequem per Überweisung auf Rechnung.
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Pressemitteilung als PDFPressemitteilung zum Gedichtband „Brennstoff im Blut".
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